Vereinsgeschichte

Im Jahr 1921 begannen zwei junge Trompeter miteinander zu spielen. Zu diesem Duo kamen neue Männer hinzu. Es bildete sich eine Kapelle, die bis zum Jahr 1924 schon einige Musikertreffen besuchte. Am 13. Juni 1924 wurde die Gründungsversammlung in der Gaststätte Hirsch in Börtlingen abgehalten. Bei dieser Versammlung konnten 32 passive Mitglieder gewonnen werden. Der Musikverein Börtlingen war geboren. Das Protokollbuch weist folgende Vorstands- und Ausschussmitglieder auf:

1. Vorstand: Karl Ayrer (Former)
2. Vorstand: Karl Frey
Kassier: Adolf Schaal
Schriftführer: Fritz Nille
Ausschussmitglieder: Wilhelm Stadelmaier
Karl Frey (Zimmermann)
Ernst Ströhle
Vereinsdiener: Gustav Möck

Im Garten des Christian Hieber fand am 20. Juli 1924 das Gründungsfest statt, zu dem auch die Kapelle des “Brudervereins” Plüderhausen anwesend war.

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Es war überhaupt eine völlig andere Zeit. Jeden Monat fand eine Mitgliederversammlung statt, an deren Ende jeweils der Mitgliedsbeitrag von 50 Pfennig erhoben wurde. Die Musiker mussten an den Dirigenten einen „Lehrbetrag“ zahlen. Es gab noch keine Autos, deshalb fuhr man zu den auswärtigen Festen mit der Eisenbahn oder man ging zu Fuß.

Die Kapelle des Musikvereins etablierte sich immer mehr und es gab auch bereits die ersten musikalischen Erfolge zu verzeichnen. Wie im Protokoll vermerkt ist, war der Kapelle beim Süddeutschen Musikfest in Schwäbisch Gmünd 1926 ein stolzer Erfolg beschieden und die Bewertung des Preisgerichts in Weissenburg (Bayern) im Jahre 1928 stellte mit einem 1a-Preis alles Bisherige in den Schatten. Die Kapelle unter dem Dirigenten Benkelmann errang schon im folgenden Jahr beim Wertungsspiel in Plüderhausen einen 1a-Preis in der Mittelstufe.

Die immer stärker werdende Wirtschaftskrise war nicht ohne Einfluss auf die Vereinsarbeit. Erstmals konnten Musikfeste nicht besucht werden, der monatliche Mitgliedsbeitrag musste auf 40 Pfennig gekürzt werden und von den erwerbslosen Mitgliedern wurde die Hälfte kassiert.

 Das Dritte Reich führte dazu, dass die Kapelle in den Kreismusikzug Göppingen eingegliedert wurde. Obwohl dies praktisch das Ende des Musikvereins Börtlingen bedeutete, konnte sich die Mehrheit der Mitglieder bei der Generalversammlung im Februar 1939 nicht zu der beantragten Auflösung des Vereins durchringen.Vielmehr kamen am 11. März 1939 im Gasthaus zum Hirsch fast alle aktiven Kapellenmitglieder zu einem gemütlichen Beisammensein. Die an diesem Tag bewiesene Musikerkameradschaft überdauerte dann auch den im gleichen Jahr beginnenden 2. Weltkrieg. Der letzte Eintrag im Protokoll des Jahres 1939 zeugt heute noch davon:

So manch frohe Stunden haben die Vereinsmitglieder mit der Kapelle erlebt, so manch trübe Gewitterwolken sind am Horizont erschienen zur Zerschlagung des Vereins, aber immer wieder hat die Kameradschaft gesiegt, zur Erhaltung der edlen Sache „der Musik“ und des „Vereins“.

Nach den Kriegswirren initiierten die ehemaligen aktiven Musiker Georg Frey und Georg Rapp den musikalischen Neubeginn im August 1952, sodass am Volkstrauertag der erste Auftritt erfolgen konnte.

In der Vereinsgeschichte ist der 28. März 1953 ein ebenso wichtiger Tag wie die Gründungsversammlung am 13. Juni 1924. Der Musikverein nahm seine Vereinsarbeit, dank beherzter Männer mit einer unendlichen Liebe zur Volksmusik, in aller Öffentlichkeit wieder auf und eine Jugendkapelle mit 12 Jungen wurde gegründet.

Ab diesem Zeitpunkt ging es sowohl in der allgemeinen, als auch in der musikalischen Vereinsarbeit wieder bergauf. Weitere Marksteine in der anschließenden Vereinsgeschichte ist der Besuch des Bundesmusikfestes des Harmoniebundes in Feldkirch (Österreich) im Jahre 1956, bei dem die Kapelle einen 1a-Preis erzielte.

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Ein erfreuliches Ereignis war die Neubeschaffung einer Vereinsfahne. Dank des damaligen Kassiers Karl Siegle, der den größten Teil der Anschaffungskosten der Fahne durch Sammeln von Spenden aufbrachte, konnte ohne finanzielles Risiko die Fahne zum Preis von 1570 DM angeschafft werden. Die künstlerische Gestaltung der Fahne mit dem Kirchenmotiv hat seinerzeit unser Mitglied Eugen Frey übernommen. Seit der Fahnenweihe am 16. Juni 1957 begleitet sie den Musikverein Börtlingen unter dem Leitspruch „In Freud und Leid zum Spiel bereit“.

 

 

1958 Anschaffung einheitlicher Trachten
1960 Fränki Höffler wird Dirigent und die Kapelle wird als Stimmungskapelle bekannt
1964 40-jähriges Jubiläum mit „Buntem Abend“ mit bekannten Künstlern aus Funk und Fernsehen im Festzelt
1968 Kontaktaufnahme zur Musikgesellschaft Rüderswil/CH im Emmental und Beginn einer bis heute andauernden Freundschaft
1972 Zusammenschluss der Kapellen Adelberg, Börtlingen, Rechberghausen, Wangen und Wäschenbeuren zum Schurwaldmusikerring (1978 Birenbach) mit jährlichem Konzert dieser Kapellen abwechselnd in deren Heimatorten
1974 50-jähriges Jubiläum mit den Musikfreunden aus Rüderswil
1976 Adolf Geiger wird bei der Hauptversammlung zum 1. Vorstand gewählt, Edgar Köller löst Fränki Höffler als Dirigent ab
1978 Schindelesdorffest wird ins Leben gerufen durch 1. Vorstand Adolf Geiger und Bürgermeister Erwin Mürdter
1980 Dietmar Schniepp übernimmt als jüngster Dirigent im KV Göppingen die aktive Blaskapelle
1981 Entscheidung des Gemeinderats, das alte Schulhaus dem Musikverein zur Verfügung zu stellen. Nach umfangreicher Planung erfolgte der Umbau zum Vereinsheim
1986 Nach jahrelanger Suche nach einer eigenen Heimat konnten am 30. Mai 1986 die eigenen Vereinsräume nach Renovierung und Ausbau des alten Schulhauses in der Paul-Trunetz-Straße offiziell eingeweiht werden.
1989 Aktive Blaskapelle gibt sich den Namen „Schurwaldmusikanten“
1990 Anschaffung Tracht für Musikerinnen
1991 Anschaffung von Lederkniebundhosen und grauer Trachtenjacken für die Musiker. Übernahme 30% der Kosten von MusikerInnen
1993 Rundfunkaufnahmen „Sang und Klang“, im Frühjahr Aufnahme einer Musikkassette
1996 Karl-Heinz Rupp wird 1. Vorsitzender. Er übernimmt das Amt von Adolf Geiger, der zum Ehrenvorsitzenden ernannt wird. 10 Jahre Vereinsheim und 1. Kuttlafest
1997 Nach 18 Jahren Dirigententätigkeit legt Dietmar Schniepp den Dirigentenstock beim MV Börtlingen nieder. Übergangsweise übernimmt Adalbert Pittner die aktive Blaskapelle.
1998 Februar: Markus Bühler aus Böhmenkirch wird Dirigent
1999 75-jähriges Jubiläum und 28. Schurwaldmusikerringtreffen unter der Mitwirkung der Musikgesellschaft Rüderswil (CH). Im Oktober wird Adalbert ‚Berti‘ Pittner Dirigent der aktiven Blaskapelle
2000 Jahresfeier im Januar erstmals unter ein Motto gestellt („Reise durch Nordamerika“). Wertungsspiel in Wiesensteig im Mai mit Note „sehr gut“ (Mittelstufe) bewertet.
2001 Jahresfeier an zwei Tagen unter dem Motto „Musical und Operette“. Im Juli Mitwirkung der aktiven Blaskapelle beim 100-jährigen Jubiläum der Musikgesellschaft Rüderswil (CH)
2002 Jahresfeier „Solistenparade – von der Blockflöte bis zum Alphorn“. Im Mai: Ehrenkonzert 50 Jahre Musiker Hans und Siegfried Frey sowie Adolf Geiger. Im Juni: Wertungsspiel in Ebersbach, Note „sehr gut“ (Mittelstufe). Im Juli: 800 Jahre Gemeinde Börtlingen mit Festumzug, Mitwirkung der MG Rüderswil (CH), Gründung der Seniorenkapelle „Schurwald-Oldtimer-Blasmusik“ (SOB) unter Erwin Voith
2003 Jahresfeier „Zirkus“ mit erstem Auftritt der SOB. Gemeinsames Benefizkonzert im April mit dem Liederkranz Börtlingen in der Johanneskirche. Im September: 3-tägiger Kapellenausflug und Auftritt bei der Marktmusikkapelle Gamlitz (Steiermark). Im November: Auftritt der Spielgemeinschaft der Jugendkapellen MV Börtlingen und MV Reichenbach im Täle beim Schurwaldjugendmusikerringtreffen.
2004 Jahresfeier „Böhmisch-mährische Musik“ mit Werken des Komponisten Josef Jiskra, Uraufführung seiner für den MV Börtlingen komponierten „Schurwaldpolka“. Im April: Gemeinschaftskonzert mit MV Wangen zum 30-jährigen Dirigentenjubiläum Adalbert ‚Berti‘ Pittners. Im Juni: 80 Jahre MVB im Rahmen des Schindelesdorffests. Im Juli: Wertungsspiel in Boll mit Ergebnis „sehr gut“.
2005 Jahresfeier „Filmmelodien“. Im März: Karl-Heinz Rupp gibt 1. Vorsitz an Alexander Erhardt ab und wird Kassier. Im April: Konzert „Treffpunkt Blasmusik“ mit MV Wäschenbeuren in Börtlingen. Im Juni Schurwaldmusikerringtreffen mit den Musikfreunden aus Rüderswil (CH). Im November: Benefizkonzert in Kirche St. Paul in GP-Bodenfeld mit Chor „Profectio“.
2006 Jahresfeier „Rock & Pop“. Im Mai: Konzert „Treffpunkt Blasmusik“ mit Jugendblasorchester Zell u.A.; Teilnahme am Wertungsspiel (Abschluss „sehr gut“) und am Festzug im Rahmen des BDB- und BVBW-Landesmusikfests in Villingen-Schwenningen; 24. Schindelesdorffest mit Marktmusikkapelle Gamlitz (Steiermark) und 30. Baden-Württemberger Alphornbläsertreffen mit 110 Bläsern aus Italien, Schweiz, Ukraine, USA und Deutschland. Im November: Wertungsspiel (Ergebnis „sehr gut“) beim Kreismusikfest in Süßen.
2007 Jahresfeier „Südamerika“. Im März: Andreas Mühleisen löst Alexander Erhardt als Vorstand ab. April: „Treffpunkt Blasmusik“ – Wunschkonzert. Juni: Schindelesdorffest mit Theaterabend der Theatergruppe des MV Börlingen und den „Original Falschspielern“ aus Urlau (Allgäu bei Leutkirch). Juli: Benefizkonzert als Abschluss des Afrika-Tags in GP-Jebenhausen
2008 Jahresfeier „Klangwelten Elemente“. März: Benefizkonzert in Birenbach mit Gruppe „Saitensprung“ für die DKMS-Aktion „Hilfe für Marius“. Juni: Schindelesdorffest zum ersten Mal an zwei Tagen und vor dem Vereinsheim. Juli: erstes Konzert in der CHAPEL im Stauferpark Göppingen unter dem Motto „We’ve got rhythm“ mit dem Chor von Veronika Kaupp. Ende Juli: Reise zu den Musikfreunden nach Rüderswil. Im Sommer: Beginn der musikalischen Früherziehung mit 15 Kindern dank der Fachkraft Antje Häfner; erstmals Blockflötenunterricht. Im November: Wertungsspiel in Mühlhausen i.T. (Note sehr gut)
2009 Jahresfeier „Melodien aus Russland“. Mai: Benefizkonzert in Wäschenbeuren für SOS-Kinderdorf in Oberberken. Juni: Schindelesdorffest mit Gruppe „fEX“. Juli: CHAPEL in Concert – „A hot summernight“ mit Blasorchester Zell u.A. und der Gruppe „Bandbreite“. Juli: Schurwaldmusikerringtreffen auf der Gartenschau in Rechberghausen.
2010 Jahresfeier „musikalischer Städtetrip“. Mai: Wertungsspiel beim Landesmusikfest in Metzingen (Note sehr gut). Juni: Teilnahme beim 3. NWZ-Blasmusik-Festival im Festzelt bei der EWS-Arena. Juli: CHAPEL in Concert – „Rhythm forever“ mit der Gruppe „Orangefuel“. November: Benefizkonzert in der katholischen Kirche St. Paul in GP-Bodenfeld mit der Sängerin Heinke Geiger und Pianist Michael Hauser. Dezember: Adventliches Konzert „Begegnungen“ im Haug-Erkinger-Saal Rechberghausen mit dem Symphonieorchester Litomyšl (geleitet von Jan Šula) aus Tschechien
2011 Jahresfeier „Legenden“, Verabschiedung des Dirigenten Adalbert ‚Berti‘ Pittner und Vorstellung des Nachfolgers Jonathan Beisiegel. Juli: Festwochenende in Börtlingen (40. Schurwaldmusikerringtreffen und Kinderfest mit Umzug), am Samstagabend unterhielt die Scherzachtaler Blasmusik unter Anton Gälle. CHAPEL in Concert – „A groovy night“ mit dem Chor „tonArt“ des Liederkranzes Börtlingen (Chorleiter Günther Lehmann) und der Percussiongruppe „BoxBeat“ (geleitet von Martin Pittner). November: Schurwaldjugendmusikerringtreffen in der Turnhalle in Börtlingen.
2012 Jahresfeier „Tierisch gut“, wobei eine Delegation aus Rüderswil mit ihrem Besuch überraschte. März: Andreas Schmidt legte sein Amt als Schriftführer bei der Hauptversammlung nieder und wurde für seine 30-jährige Funktionärstätigkeit geehrt. Mai: Jonathan Beisiegel beendete musikalische Leitung, bis zum Sommer nach dem CHAPEL-Konzert übernahmen Sonja Schäfer und Uwe Hieber das Dirigentenamt. Juli: CHAPEL in Concert – „Rock this town“ mit Musiker/innen aus dem Blasorchester Zell u.A., dem SWR-Saxophonisten Rolf-Dieter Fröschlin, der „Hoißnoise Band“ und der Percussiongruppe „BoxBeat“. September: Jörg-Sebastian ‚Basti‘ Hoiß wurde zum neuen Dirigenten gewählt. Festwochenende zum 810. Gemeindejubiläum mit 17. Kuttlafest

 

Quellen: Archiv MV Börtlingen, Jubiläumsschrift 75 Jahre MV Börtlingen. Chronik 1958 bis 2009 erstellt von Andreas Schmidt (Schriftführer MV Börtlingen 1984-2012), Chronik 1952-1957 und ab 2010 erstellt von Benedikt Leinss (Pressewart ab 2012)